01 In diesem Kapitel schauen wir uns Anleihen als Finanzprodukte an, in die man Geld anlegen kann. 02 Was ist eine Anleihe? Anleihen, auch Rentenpapiere, Schuldverschreibungen, Obligationen oder Bonds genannt, bieten Unternehmen oder Staaten eine Alternative zum normalen Bankkredit. Über den Kapitalmarkt leihen sie sich durch die Herausgabe von Anleihen Geld von Anlegern. 03 Bevor das geschieht, legt der Herausgeber bzw. Emittent die Anleihebedingungen fest. Dazu gehören die Höhe der Verzinsung, die Laufzeit und die Tilgung. Der Emittent verpflichtet sich, dass er das geliehene Kapital in voller Höhe am Ende der Laufzeit zurückzahlt. Festverzinsliche Anleihen haben eine konstante Verzinsung während der gesamten Laufzeit, bei variabel verzinsten Anleihen wird die Verzinsung regelmäßig angepasst. 04 Die Stückelung des festverzinslichen Titels, häufig Beträge von mehreren Millionen US-Dollar oder Euro in eine Vielzahl an Teilschuldverschreibungen zu Nominalbeträgen von beispielsweise fünfzig, einhundert, eintausend oder zehntausend Währungseinheiten nennt man Losgrößentransformation. Als Losgrößentransformation wird auf dem Finanzmarkt also die Umwandlung unterschiedlich hoher Geldbeträge in die vom Nachfrager gewünschten Geldbeträge genannt. Dies macht Anleihen auch für Kleinanleger attraktiv. 05 Immer wieder begehen Anleger den Fehler, den Zins einer Anleihe aus dem Coupon mit ihrer Rendite gleichzusetzen, obwohl diese beiden Größen oftmals weit auseinander liegen. Der Zins gibt lediglich an, in welcher Höhe die Zinsen am Ende der jeweiligen meist jährlichen Periode ausgeschüttet werden. Bei jeder Investitionsentscheidung kommt es aber letztendlich darauf an, welche Rendite in Form der effektiven Verzinsung tatsächlich erzielt wird. Die Rendite einer Anleihe hängt von drei Einflussfaktoren ab, von dem Kaufkurs, von der Nominalverzinsung und von der Restlaufzeit. 06 Nehmen wir an, eine börsennotierte Anleihe hat eine jährliche Verzinsung von fünf Prozent, einen aktuellen Kurs von einhundertvier Prozent, eine Restlaufzeit von zwei Jahren und einen Nennwert von einhundert Euro. Der Anleger muss also einhundertvier Prozent für einhundert Euro Nennwert, also einhundertvier Euro bezahlen, um innerhalb von zwei Jahren zweimal fünf Euro Zinsen plus einhundert Euro, also einhundertzehn Euro ausgezahlt zu bekommen. Sein Gewinn beträgt demnach einhundertzehn Euro minus einhundertvier Euro, also sechs Euro, was einer jährlichen Rendite von zirka zwei-komma-neun Prozent entspricht und eben nicht den fünf Prozent des Zinskupons. 07 Anleihen beinhalten für den Käufer mehrere Ansprüche. Er hat ein Recht auf Verzinsung, die durch einen Zinsschein bzw. Kupon ausgedrückt wird, auf Rückzahlung in der Regel zu einhundert Prozent des eingesetzten Kapitals und wird im Insolvenzfall des Emittenten gegenüber den Aktionären bevorzugt; Ausnahmen sind hier nachrangige Anleihen. Im Gegenzug dazu hat der Anleger keine Stimm- oder Teilhaberrechte. Im Gegensatz zur Aktie erwirbt der Käufer einer Unternehmensanleihe also keinen Anteil am Eigenkapital des Unternehmens, sondern gewährt ihm Kredit, also Fremdkapital. Sie dürfen also bei einer eventuellen Hauptversammlung nicht mitstimmen. Dass das Kapital nicht immer zurückgezahlt werden kann, zeigten die Finanzkrisen der letzten Jahre. 08 Bei der Auswahl einer Anleihe sollten Sie sich nach der Rendite ausrichten und die Kursentwicklung an den Rentenmärkten verfolgen. Verschlechtert sich die Bonität des Anleihenschuldners während der Laufzeit, fällt in aller Regel der Kurs der Anleihe. Verbessert sich die Zahlungsfähigkeit, dürften die entsprechenden Anleihen im Kurs zulegen. Steigende Kurse bedeuten gleichzeitig, dass Sie als Neuanleger für dieselben absoluten Zinserträge einen höheren Kapitalbetrag investieren müssen... 09 Wenn der Kurs einer Anleihe steigt, fällt gleichzeitig ihre Rendite für diejenigen Anleger, die sie dann noch kaufen. Es bekommen zwar alle den gleichen Kupon, aber die tatsächliche Rendite bezieht sich letztlich auch auf den Kaufkurs. Umgekehrt steigt die Rendite einer Anleihe, wenn deren Kurs sinkt. Es sei denn, dass der Herausgeber der Anleihe dann insolvent ist! 10 Staatsanleihen (auch Staatsschuldverschreibungen oder Staatsobligationen genannt) sind festverzinsliche Wertpapiere von Staaten. Dabei leihen sich Staaten Geld von Anlegern, um sich zu finanzieren. Wer also eine Staatsanleihe kauft, gibt dem jeweiligen Land eine Art Kredit. Emittenten können alle Staaten dieser Welt sein. Ist speziell von Deutschland die Rede, dann handelt es sich um Bundesanleihen. 11 Staaten definieren dafür ein finanzielles Volumen, das sie brauchen. Dieses Volumen teilt sich in eine hohe Zahl von einzelnen Anleihen mit einem Einzelpreis auf. Anleger können sich nun so viele Anleihen kaufen, wie sie möchten bis das Gesamtvolumen erreicht ist. Dann sind keine weiteren staatlichen Anleihen erhältlich. Der Anleger hat dabei das Recht zu fordern, dass das Geld am Ende zurückgezahlt sowie zwischendrin verzinst wird. Die Rechte auf Rückzahlung und Zinszahlung sind bei Staatsanleihen verbrieft, also schriftlich festhalten. 12 Ein Einzelunternehmen kann insolvent sein... Ein Land nicht, oder? Leider doch! Im Jahr zweitausendeins konnte Argentinien Anleihen im Wert von fast einhundert Milliarden Dollar nicht bedienen - zum damaligen Zeitpunkt die größte Staatspleite aller Zeiten. Bankkonten wurden eingefroren und Dollar-Ersparnisse in die kräftig abgewertete Landeswährung Peso zwangskonvertiert. zweitausendfünf und zweitausendzehn wurden den Anleihebesitzern für ihre Papiere neue Bonds angeboten, deren Nennwert aber nur noch ein Drittel der ursprünglichen Anleihen betrug. Trotz des heftigen Schuldenschnitts akzeptierten dreiundneunzig Prozent der Gläubiger das Angebot. Die restlichen Gläubiger können dagegen klagen; wenn sie dabei verlieren, gehen sie leer aus! 13 Die griechische Staatsschuldenkrise war eine seit zweitausendzehn laufende Krise des Staatshaushalts und der Volkswirtschaft der Republik Griechenland. Nach dem Wegfall der nationalen Währungen und des damit verbundenen Wechselkursmechanismus nach der Euro-Einführung war die Entwicklung geeigneter interner Anpassungsmechanismen in den Euro-Ländern missglückt. Das im August zweitausendachtzehn auslaufende dritte Hilfsprogramm für Griechenland wird nicht verlängert; der damalige Ministerpräsident Tsipras hatte zugesagt, dass das Land künftig ohne europäische Hilfsprogramme auskommt. In diesem Kontext wurde auch der Begriff "Draghi-Effekt" geschaffen. Mario Draghi traf als Präsident der Europäischen Zentralbank damals die folgende Aussage: „Die EZB ist bereit, alles Notwendige zu tun, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir, es wird genug sein.“ Die Finanzmärkte beruhigten sich daraufhin in der Erwartung, dass die EZB notfalls Staatsanleihen aufkaufen würde. 14 Sie sehen, wie sich daraufhin die Kurse der griechischen Staatsanleihen wieder erholten, die zwischendurch aufgrund der Panik auf vierundachtzig Prozent gefallen waren. Alle bedeutenden Ratingagenturen hatten, auch aufgrund des Draghi-Effekts, die Kreditwürdigkeit von Griechenland wieder besser eingestuft. Die Kreditwürdigkeit wird in diesem Beispiel von den drei großen Ratingagenturen Fitch, S&P sowie Moodies vorgenommen, wie sie oben rechts erkennen können. Dazu später noch mehr. 15 Unter Bonität wird die Kreditwürdigkeit des Anleihenherausgebers verstanden. Je höher die Bonität ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Emittent seine Schulden wieder zurückzahlt. Bei einer hohen Bonität gehen Sie entsprechend wenig Risiko ein. Im Gegenzug zahlt Ihnen der Emittent jedoch nur einen vergleichsweise niedrigen Zinssatz. Ist die Bonität gering, so findet der Emittent für seine Anleihen nur bei einem höheren Zinssatz Kaufinteressenten. 16 Wenn Sie sich auf dem Anleihenmarkt engagieren möchten, sollten Sie deshalb die Bonität des Emittenten berücksichtigen. Das Emittentenrisiko ist ein Spezialfall des Ausfall- oder Kreditrisikos. Dies ist das Risiko, dass ein Emittent nicht mehr in der Lage ist, seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Für den Anleger bedeutet dieses Risiko den teilweisen oder gar vollständigen Verlust seines Kapitals. 17 Was sind inflationsindexierte Anleihen? Diese speziellen Anleihen werden nur von Staaten ausgegeben. Sie sollen dem Anleger Schutz vor dem Inflationsrisiko bieten. Sowohl die Zinszahlung für die angelegte Summe, als auch der Betrag, den Anleger am Ende der Laufzeit bekommen, sind an die Inflationsentwicklung gekoppelt. Steigt die Inflation, steigen auch Zinszahlung und Rückzahlungswert der Anleihe. Das soll dafür sorgen, dass Anleger real, also nach Abzug der Teuerung, kein Geld verlieren. Während eine herkömmliche Anleihe den Anlegern am Ende der Laufzeit eine feste nominale Rendite garantiert, sichern sich Investoren dagegen bei einer inflationsgeschützten Anleihe eine bestimmte reale Rendite. Welche der beiden Anleihen die bessere Alternative ist, hängt davon ab, wie sich die Inflation während der Laufzeit des Papiers entwickelt. 18 Eine inflationsindexierte Anleihe soll Preissteigerungen bei Gütern und Dienstleistungen während der Haltezeit einer Anleihe ausgleichen. Ihre Wertentwicklung hängt daher von einem Preisindex ab. Bei den Inflationsanleihen des Bundes ist das der harmonisierte Verbraucherpreisindex der Europäischen Union. Sowohl die Zinszahlungen, als auch der Rückzahlungsbetrag werden mithilfe des Index an die Inflation angepasst. Der Preis für diesen Inflationsausgleich ist der niedrigere fixe Kupon der indexierten Wertpapiere verglichen mit den klassischen Bundesanleihen. Inflationsindexierte Anleihen der USA werden dort „Treasury Inflation-Protected Securities“ (TIPS) genannt. 19 Unternehmensanleihen sind eine Form, mit der sich Unternehmen finanzieren können. In erster Linie kaufen institutionelle Investoren Anleihen und leihen den Unternehmen damit Geld, um Zinsen zu erhalten und eventuelle Kursrenditen zu erzielen. Aber auch private Investoren können sich Unternehmensanleihen kaufen. Staatsanleihen sind (meistens) am sichersten, werden dafür aber geringer verzinst. Dagegen sind Unternehmensanleihen je nach Rating etwas bis deutlich riskanter, aber ermöglichen entsprechend höhere Zinsen. Sogenannte Hoch-zinsanleihen (High Yield Bonds) haben ein erhöhtes Ausfallrisiko, aber dafür einen höherem Zins. 20 Hier sehen wir als Beispiel eine Unternehmensanleihe der BASF, die bis zweitausenddreißig läuft. Die Anleihe hat einen Zinskupon von eins-komma-fünf Prozent. Nach der Corona-Panik zweitausendzwanzig sehen wir ein weiteres Abrutschen des Kurses ab zweitausendzweiundzwanzig. Der Grund dafür liegt darin, dass die Zinsen im Euroraum aufgrund der Inflation massiv gestiegen sind. Der Kupon von eins-komma-fünf Prozent von einem Unternehmen hat dann niemanden mehr vom Hocker gerissen, als man plötzlich sicherere Festgeldanlagen beispielsweise mit drei Prozent erhalten konnte. Steigende Zinsen drücken also die Kurse der Anleihen. Wird die Unternehmensanleihe zweitausenddreißig fällig und ist die BASF dann nicht insolvent, so erhält man natürlich die vollen einhundert Prozent zurück. Und bis dahin eben den Kupon mit eins-komma-fünf Prozent pro Jahr. 21 Hier sehen wir die Detailangaben aus dem Beispiel der BASF Unternehmensanleihe. Die Rendite pro Jahr besteht im Wesentlichen aus dem Kupon und aus dem aktuellen Kurs und dessen Abstand zu den einhundert Prozent. Der Zinskupon beträgt eins-komma-fünf Prozent bei fester jährlicher Verzinsung. Die Restlaufzeit beträgt sechs Jahre und drei Monate. Darunter finden Sie den nächsten Termin, an dem die Zinsen ausgezahlt werden. Auf der anderen Seite sehen Sie, dass es sich um eine Unternehmensanleihe aus dem Bereich der Chemie handelt. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Deutschland, es ist die BASF und die Anleihe ist in Euro. Das Emissionsvolumen beträgt fünfhundert Millionen Euro, die Sie immer in Schritten von eintausend Euro handeln können. Der Emittent kann die Anleihe kündigen. Diese Anleihe ist nicht nachrangig. Bei Insolvenz bekommen die Inhaber der Anleihe also ihr Geld noch vor den Aktionären zurück; natürlich sofern eine Insolvenzmasse dies zulässt. 22 Also wieso schwankt jetzt eigentlich der Kurs einer Anleihe? Bauen wir nochmal ein Beispiel. Sie kaufen eine Anleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren. Kupon und Kapitalmarktzins betragen jeweils zwei Prozent. Daher sollte Ihr festverzinsliches Papier an der Börse exakt bei einhundert Prozent notieren. Wenn Sie also zehntausend Euro anlegen möchten, müssen Sie weder ein Ab- noch ein Aufgeld zahlen. Sie kommen mit eben jener Summe "a pari" zum Zug. 23 Plötzlich steigt der Marktzins beispielsweise von zwei auf drei Prozent, weil Anleger eine Zinswende durch die Notenbank erwarten. Eine banale Änderung? Keinesfalls! Zwar bekommen Sie weiter Jahr für Jahr Ihren Kupon von zwei Prozent. Aber der Wert des Zahlungsstroms künftiger Erträge verringert sich. Die Folge: In diesem Beispiel fiele der an der Börse gehandelte Anleihekurs von einhundert Prozent auf knapp unter einundneunzig Prozent! Ein Minus von fast zehn Prozent! Andersherum: Wäre der Marktzins von zwei auf ein Prozent gefallen, hätten aktive Anleger Gewinne von zirka zehn Prozent realisieren können! 24 Hier sehen Sie eine ungünstige Unternehmensanleihe. Die Rendite sieht auf dem ersten Blick unglaublich aus! Und das bei einer sehr kurzen Restlaufzeit! Und der Kurs ist dazu sehr günstig, fast bei null Euro. Wie kann das sein? Die Lösung liegt leider in einem Schuldenschnitt (meist bei Staaten) oder in einer Insolvenz des Unternehmens, hier der Steilmann SE. Die Zinsen werden vielleicht noch bedient, aber die Anlagesumme kann nicht mehr zurückgezahlt werden. 25 Wenn man nach dem Unternehmen recherchiert, findet man foldende Informationen. Die Steilmann SE mit Sitz Bergkamen ist ein börsennotiertes Textilunternehmen. Im März zweitausendsechszehn erklärte das Unternehmen seine Zahlungsunfähigkeit und stellte am darauf folgenden Tag zusammen mit ihrer ebenfalls zahlungsunfähigen Großaktionärin Steilmann Holding einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Dortmund. Als Grund für die Insolvenz wurden unter anderem anhaltend schwache Geschäfte genannt; die Banken waren nicht mehr zur Finanzierung bereit und Gespräche mit potenziellen Geldgebern gescheitert. Der wertvollste Teil der Insolvenzmasse soll die gut achtzig Millionen Euro schwere Beteiligung an den Adler Modemärkten sein. 26 Was sind denn Optionsanleihen? Für Unternehmen stellen Optionsanleihen eine günstige Finanzierungsquelle dar, weil durch den beigefügten Optionsschein die Zinszahlungen reduziert werden gegenüber einer normalen Anleihe. Für Anleger kombiniert dieses Finanzderivat die Sicherheit einer Anleihe mit den Chancen von Aktien. Bei steigendem Aktienkurs kann eine erheblich höhere Rendite erzielt werden. Umgekehrt muss sich der Anleger bei sinkenden Kursen mit der deutlich geringeren Verzinsung der Optionsanleihe begnügen. 27 Zum Abschluß dieses Kapitels schauen wir uns noch an, wer die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens oder eines Staates bewertet. Hier sind drei Kandidaten zu nennen. Das sind die wichtigsten Rating-Agenturen weltweit. Die erste Agentur ist die Standard & Poor’s Corporation (S&P), die neunzehnhunderteinundvierzig entstand. Kernbereich der Gesellschaft ist die Bewertung und Analyse anderer Wirtschaftsunternehmen, Banken und Staaten hinsichtlich ihrer Bonität. S&P ist die dominierende Ratingagentur neben den kleineren Unternehmen Moody’s und Fitch Ratings, die zusammen als die Großen Drei bezeichnet werden. Außerdem erstellt S&P zahlreiche Aktienindizes der amerikanischen Börsen und Rohstoffindizes. Neben der Zentrale des Unternehmens in New York City gibt es fünfunddreißig Standorte an Finanzplätzen in aller Welt, davon neun in Europa, darunter auch in Frankfurt am Main. 28 Moody’s Corporation ist die Dachgesellschaft für Moody’s Investors Service und Moody’s Analytics. Moody’s Analytics ist ein Anbieter von Risikomanagement-Software. Die Agentur wurde schon neunzehnhundertneun von John Moody gegründet. Damals lieferte die Agentur Ratings zu Eisenbahn-Anleihen gegen Bezahlung an Investoren. Seit neunzehnhundertsiebzig verlangt Moody’s die Gebühren nicht mehr von den Investoren, sondern von den Emittenten. Moody’s bewertet Wirtschaftsunternehmen und Banken nach ihren veröffentlichten Zahlen und beurteilt das Management. Darüber hinaus bewertet das Unternehmen auch Staatsanleihen. Moody’s war wesentlich an der Bonitätsbeurteilung der verbrieften Hypothekenkredite in den USA beteiligt und erzielte damit vierundvierzig Prozent seiner Umsätze. 29 Fitch Ratings ist eine Ratingagentur mit Firmensitzen in New York und London. Die Ratingagentur ist weltweit an über fünfzig Standorten präsent; sie beschäftigt zweitausend Mitarbeiter. In Deutschland ist sie in Frankfurt am Main als Fitch Deutschland GmbH vertreten. Die Gründung des Unternehmens unter dem Firmennamen Fitch Publishing Company erfolgte neunzehnhundertdreizehn durch John Knowles Fitch und neunzehnhundertvierundzwanzig begann die Fitch Publishing Company Finanzstatistiken zu veröffentlichen. Sie war die erste Ratingagentur, die die Bewertungsskala von triple-A bis D verwendete. 30 Hier sehen wir die Ratingskalen der großen Drei. Zunächst die sehr guten Ratings mit sehr hohen Wahrscheinlichkeiten, dass die Schuldner das geliehene Geld auch zurückzahlen können. Anlagen dieser Bonität gelten als sicher. 31 Nun kommen die mittleren Ratings. Hier ist es schon spekulativ, ob man das investierte Geld auch komplett zurück bekommt. Momentan ist dies aber gewährleistet - noch! 32 Unternehmen oder Staaten mit dieser Bonität können geliehenes Geld mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr zurückzahlen oder sie sind schon insolvent. 33 Abschließend noch eine Aussage zu der Macht der Ratingagenturen. Man muss bedenken, dass die weltweite Kreditwürdigkeit von Staaten und Unternehmen an diesen drei US-amerikanischen Konzernen hängt. Die drei Ratingagenturen S&P, Moody’s und Fitch Ratings dominieren fünfundneunzig Prozent des Weltmarkts. Es gab einmal den Plan, auch eine europäische Ratingagentur aufzubauen. Dies ist leider gescheitert. Dazu ein Zitat aus einem interessanten Artikel aus zweitausenddreizehn. Mit seinem Modell verband Krall auch das Ziel, die Interessenkonflikte auf Seiten der Ratingagenturen zu beseitigen, die seiner Meinung nach eine entscheidende Rolle beim Crash des US-Hypothekenmarkts und der globalen Finanzbranche zweitausendacht gespielt hatten. Zum Abschied warnt Krall, dass diese Systemgefahren das globale Finanzsystem nach wie vor bedrohen: „Das im aktuellen Status quo liegende systemische Risiko wird ohne neue globale Konkurrenz im Ratingmarkt weiterhin bestehen bleiben.“ #Geld #Geldanlage #Investieren #Anleihe #Unternehmensanleihe #Staatsanleihe #Investment #Rating #TIPS #inflationsgeschützt #finanzen #finanzprodukt #agentur #zins #kupon #Emittentenrisiko #Rendite #Bonität #Kurs #Optionsanleihen